Diese Woche war ich sehr gestresst und ich fühle buchstäblich, als ob mein Gehirn nicht von einem Gedanken zum nächsten findet. Außerdem stören mich schon die kleinsten Geräusche. Zum Beispiel, dass mein Chaos so laut kaut. Ach ja, die Zündschnur ist diese Woche einfach kurz
Eine Mutter sprach mit an, dass sie es doch eigentlich besser wissen müsse. Schließlich sei sie hochsensibel. Da müsse sie doch mehr Empathie mit ihren Kindern haben. Aber bei Carl Rogers Klientenorientierten Gesprächsführung ist Empathie nicht gleich Harmonie. Empathie heißt auch, mal die Spannung aushalten. Eine andere Mutter eilte sofort zur Hilfe: „Na klar ist deine Zündschnur noch kürzer. Schließlich wird dir alles auch schneller zu viel.“ Seid nett zu euch selber oder sucht euch Leute, die es sind.
Kurz könnte man zusammenfassen: Wenn im AuDHS Haushalt alle Zündschnüre kürzer sind, knallt es natürlich auch schneller und öfter. So sind se eben. Meine Hühner stehen manchmal um 5 Uhr morgens senkrecht im Bett und singen lauthals sämtliche Kinderlieder vorwärts und rückwärts und flattern dabei mit den Armen. Dann hätte ich den Kaffee am liebsten intravenös.
Oder noch so ein Ding: Kennt ihr das? Reden in Dauerschleife? Am besten immer wieder den gleichen Satz. Oder noch besser: Eine Frage. Und jedes Mal eine Antwort erwarten. Am liebsten immer die gleiche. Wer soll da nicht wahnsinnig werden. Wenn ich vorher neurotypisch war, bin ich es spätestens jetzt nicht mehr.
Eine Mutter beschrieb, wie ihr Kind beim Reden mit ihr immer vor ihr „fliegen“ muss. „Musst du das machen, wenn du mit mir redest?“ „Ja, Mama!“ Dem Lächeln dazu konnte sie nicht widerstehen. So sind se eben. Ich verbuche das als Stimming. Und damit ich mich konzentrieren kann, rede ich dann mit der Wand statt mit dem Kind. Wenn ich es aushalten muss, muss es mich auch aushalten. Ha!
Ein Rektor sage mal zu einem AuDHS Huhn: „Sie mich an, wenn ich mit dir rede.“ Klingt wie der Anfang eines schlechten Witzes. Da wurde mir klar: „Er kann Sie entweder anschauen, dann wird er Ihnen aber nicht zuhören. Oder er kann Ihnen zuhören, dann wird er Sie aber nicht anschauen. Was ist Ihnen wichtiger?“ Der Kollege war irritiert. Dann wurde ihm aber ziemlich schnell klar, dass Zuhören heute Priorität hat. Also fragte er mich noch: „Und woher weiß ich dann, dass er mir zuhört?“
Das ist eine gute Frage. Ich sehe das meinen Hühnern meistens an. Das Chaos hat da so seine Schwierigkeiten. (Das Chaos ist übrigens mein Patchwork-Mann.) Deshalb fragt er einfach die Hühner immer, den Inhalt des gesagten zu wiederholen. Ist ja auch ein gute Übung im Paraphrasieren.
Manche AuDHüher können aber zum Beispiel Hausaufgaben am besten lösen, wenn sie die Aufgaben beim Radfahren zugerufen bekommen und die dann im Kopf lösen. So mancher schafft da sogar: Drei Geschwister sind zusammen 21 Jahre alt. A ist doppelt so alt wie B und C ist nur halb so alt wie B. Wie alt ist jedes der Geschwister? Das schaff ich nicht mal auf einem Blatt Papier mit meinem Mathe-dementen Gehirn. Bei meinem Huhn ist das Ergebnis jedes Mal richtig. Auch wenn das Kind vermeintlich gar nicht zuhört. Aber den Lösungsweg aufschreiben? Um Himmels Willen. Da geht alles schief! Dabei geht die Konzentration flöten und es schleichen sich 1000 Fehler ein und das Ergebnis ist zu 80% falsch.
Schauen wir doch öfter mal wieder hin, um herauszufinden, was unsere Kinder können und was sie dazu brauchen. Von einer Familientherapeutin kam der Tipp, die Kinder wieder mehr zu beobachten und ihnen nicht so schnell unsere Vermutungen überzustülpen. Weder die überfordernden noch die überfördernden. „Oh, der kann das ja nicht, der ist ja Autist.“ Das habe ich oft gehört. Besonders gerne von Sonderpädagogen. Meine Antwort: Haben Sie es mal ausprobiert? Zuhause kann er es nämlich. Kennen Sie einen Autisten, dann kennen Sie genau einen Autisten.
Diese Woche habe ich Struktur aus dem Fenster geworfen. Ich muss mich auf jeden Fall wieder selbst runterbringen. Aber es ist manchmal auch nicht so einfach, weil ich die Energie auch loswerden muss. Zum Hinsetzen und Ausruhen bin ich zu zappelig. Deshalb schreibe ich lieber meine nächste YouTube Folge für euch und nehme sie auf.
In diesem Sinne!
AuDHS heißt: Regulation läuft anders – bei Kindern UND bei Eltern.
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