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Wenn alles zu viel wird – was im Nervensystem passiert (ADHS & Autismus)

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Wenn das Nervensystem überlastet ist – Alltag im AuDHS-Haushalt

Wenn in einem AuDHS-Haushalt das Nervensystem überlastet ist, dann passieren seltsame Dinge. Man vergisst plötzlich alles. Geräusche werden unerträglich. Und Gespräche mit den Kindern eskalieren schneller, als man möchte.

Genau darüber möchte ich heute sprechen.

Heute geht es um ein Thema, das viele Familien kennen: Stress im Alltag – und was mit dem Nervensystem passiert, wenn alles zu viel wird.


Wenn der Stress zu groß wird

Letzte Woche war bei mir so eine Woche, in der einfach alles gleichzeitig passiert ist. Ich kann normalerweise ziemlich gut funktionieren.
Aber wenn zu viele Termine zusammenkommen und es emotional wird, dann merke ich:

Mein System macht irgendwann dicht.

Dann passieren Dinge, die mir sonst kaum passieren: Ich vergesse Dinge. Gedanken reißen plötzlich ab. Ich lege Sachen irgendwo hin und finde sie nicht mehr. (Sonst lege ich immer alles an die gleiche Stelle.) Geräusche werden plötzlich unerträglich laut.

Dann frage ich mich manchmal, ob ich nicht auch ADHS habe oder autistisch bin. Vielleicht kennst du das. Manchmal reicht dann schon jemand, der neben mir kaut – und mein Nervensystem sagt: „Zu viel.“ Das hat nichts mit Absicht zu tun. Das ist Überlastung.


Perfektionismus macht es schlimmer

Viele Eltern versuchen in solchen Momenten trotzdem noch, perfekt zu funktionieren. Gerade dann, wenn man eigentlich weiß, wie man reagieren sollte. Aber manchmal geht es einfach nicht. Eine Mutter hat neulich zu mir gesagt: „Ich müsste es doch besser wissen.“

Und die Antwort war eigentlich ganz einfach: Wenn man selbst sensibel auf Reize reagiert, trifft einen der Stress genauso wie die Kinder. Deshalb ein wichtiger Satz: Seid nicht so hart zu euch selbst. Perfektion hilft niemandem, wenn das Nervensystem schon überlastet ist.


Wenn Reden schwierig wird

In vielen Familien passiert dann noch etwas Typisches. Man möchte etwas erklären oder klären – aber das Gespräch funktioniert nicht. Manche Kinder müssen sich bewegen, springen oder herumzappeln, während sie zuhören. Das wirkt für Erwachsene oft so, als würden sie gar nicht zuhören. Aber manchmal ist es genau andersherum. Manche Menschen können besser zuhören, wenn sie sich bewegen.


Eine kleine praktische Idee

Wenn euch das Zappeln stresst, kann es helfen, den Fokus zu verändern. Sucht euch einen festen Punkt im Raum – zum Beispiel einen Gegenstand oder ein Stofftier – und sprecht dorthin. Was neutrales. Also nicht den dreckigen Teller auf der Spüle sondern vielleicht lieber die Steckdose. Ich spreche dann mit der Steckdose. Gegen die hab ich nichts.

Das Gespräch kommt trotzdem an. Und in AuDHS-Familien darf der Alltag anders aussehen. Er darf auch mal verrückt aussehen, wenn es euch hilft, dass ihr nicht verrückt werdet.

Und vielleicht noch ein Gedanke, der helfen kann: Nicht alles in dem Moment klären. Wenn das Nervensystem überlastet ist, funktionieren Gespräche oft einfach nicht. Dann bringt auch das beste Erklären nichts.

Was helfen kann, ist ein fester Zeitpunkt. Ein Tag in der Woche, an dem ihr solche Dinge besprecht. Nicht mitten im Chaos. Sondern in einem ruhigeren Moment. Dann ist klar:

Wir müssen das jetzt nicht sofort lösen.

Und das nimmt oft Druck raus. Für dich. Und für dein Kind.


Missverständnisse über Aufmerksamkeit

In Schule und Alltag wird oft erwartet: Wer zuhört, schaut auch hin. Aber das stimmt nicht für alle Menschen. Manche können entweder zuhören oder anschauen – aber nicht beides gleichzeitig. Deshalb kann es hilfreicher sein, nachzufragen:

„Was hast du verstanden?“
„Kannst du kurz zusammenfassen, worum es ging?“

Dann merkt man schnell, ob jemand wirklich zugehört hat.


Beobachten statt Schubladen

Ein Problem entsteht oft dann, wenn Erwachsene schon vorher entscheiden:

„Dieses Kind kann das nicht.“

Dabei zeigen viele Kinder ihre Fähigkeiten auf ganz eigene Weise. Manche denken visuell. Manche bewegen sich beim Denken. Manche lösen Probleme im Kopf, ohne jeden Schritt aufzuschreiben.

Deshalb ein wichtiger Gedanke: Beobachtet Kinder. Nicht nur, ob sie etwas auf die erwartete Weise machen – sondern wie ihr Gehirn tatsächlich arbeitet. Vielleicht tun sie nicht, was du erwartest oder was du für richtig hältst. Vielleicht erfinden sie gerade ihr eigenes „Richtig“.


Nervensystem regulieren

Wenn der Stress hoch ist, hilft manchmal etwas sehr Einfaches:

Körperliche Beruhigung.

Zum Beispiel:

etwas in der Hand halten
ein Stofftier streicheln
sich bewegen
etwas nebenbei tun

Der Körper beruhigt das Nervensystem oft schneller als reine Gedanken. In der Traumatherapie wird das zum Beispiel im Somatic Experiencing genutzt.


Wenn die Energie zu hoch ist

Manchmal funktioniert Entspannung aber gar nicht. Dann hilft mir persönlich etwas anderes: Ich mache ein kleines Nebenprojekt. Etwas, das Energie verbraucht – aber trotzdem Freude macht. Vielleicht starte ich ein großes Murmelbahnprojekt – mit oder ohne Kinder.


Wenn nichts mehr geht – Shutdown

Und dann gibt es noch diese andere Seite. Nicht mehr dieses „alles ist zu viel“ – sondern eher ein „es geht gar nichts mehr“.

Du willst etwas sagen, aber du bekommst keinen Satz raus. Du weißt, was zu tun wäre, aber du kommst nicht ins Handeln. Es ist wie abgeschnitten.

Und von außen wirkt das oft falsch. Als würde jemand nicht wollen. Oder sich entziehen. Aber so fühlt es sich innen nicht an.

Es ist eher so, als hätte das Nervensystem gesagt: Jetzt reicht’s. Und dann wird runtergefahren.

Und genau in dem Moment hilft kein Reden mehr. Kein Erklären. Kein „Müssten wir aber eigentlich mal…“

Was eher hilft, ist: weniger Reize weniger Druck einfach da sein

Vielleicht einfach auf dem Bett liegen und an die Decke starren. Wenn das Kind da liegt, vielleicht nicht überlegen: „Wie kriege ich ihn oder sie da weg?“ Wir müssen doch… Sondern einfach mal dazu legen. Und den eigenen Atem spüren. Und überlegen, wie der Fleck da an die Decke gekommen ist und ob der aussieht wie eine Zitrone oder eher wie ein Basketball.


Zum Schluss

Zum Schluss ein Satz, den ich sehr passend finde: Wenn du einen Autisten kennst, dann kennst du genau einen Autisten. Jeder Mensch funktioniert anders. Mich würde interessieren: Was hilft euch, wenn euer Nervensystem komplett überlastet ist? Schreibt es mir gerne im Video in die Kommentare. Bis demnächst.