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Mein Kind macht keine Hausaufgaben – aber warum nicht? Teil 2: Was während den Hausaufgaben schief gehen kann.

Einleitung

Letztes Mal haben wir darüber gesprochen, warum Kinder oft gar nicht erst mit den Hausaufgaben anfangen. Und dabei haben wir festgestellt: Manchmal fehlen die Materialien. Manchmal fehlt die Energie. Manchmal scheitert es schon am Übergang zum Schreibtisch.

Heute gehen wir einen Schritt weiter. Denn manchmal sitzt das Kind bereits vor den Hausaufgaben. Das Heft liegt auf dem Tisch. Der Stift ist da. Die Aufgabe ist aufgeschlagen. Und trotzdem funktioniert es nicht.

In diesem Beitrag könnt ihr euch durch die einzelnen Themen klicken. Das Projekt wächst ständig weiter. Wenn ein Thema euch betrifft, aber das passende Short noch fehlt, schaut einfach später noch einmal vorbei. Und weil niemand alle Antworten kennt, möchte ich gern euer Schwarmwissen nutzen: Schreibt in die Kommentare, welche Probleme ihr kennt und was bei euch geholfen hat. Oder schreibt mir an info@engel-chaos-beziehung.de So entsteht mit der Zeit eine immer größere Sammlung an Ideen und Erfahrungen.


Aufgabe wird nicht verstanden

Nicht jedes Kind, das vor einem Arbeitsblatt sitzt, versteht auch, was es tun soll. Manchmal wird die Aufgabenstellung nicht verstanden. Manchmal wird der aktuelle Stoff nicht verstanden. Und manchmal fehlen sogar Grundlagen aus früheren Schuljahren. Von außen sieht man vielleicht nur, dass nichts passiert. In Wirklichkeit fehlt manchmal einfach das Verständnis für den nächsten Schritt.


Konzentration geht verloren

Andere Kinder beginnen ganz motiviert. Sie starten sogar gut. Aber nach wenigen Minuten sind die Gedanken woanders. Ein Geräusch. Eine Bewegung. Eine Erinnerung. Ein Gedanke an etwas Interessanteres. Und plötzlich ist die Aufmerksamkeit nicht mehr bei den Hausaufgaben.


Überforderung

Manche Aufgaben wirken wie ein kleiner Hügel. Andere wie ein ganzer Berg. Je größer dieser Berg erscheint, desto schwerer wird es, den ersten Schritt zu machen. Manchmal kann eine kleine Aufgabe zu schwer sein oder eine leichte Aufgabe zu viel. Manche Kinder versuchen alles perfekt zu machen, direkt beim ersten Mal, und verlieren sich darin. Auch Perfektionismus kann deshalb eine Form von Überforderung sein.


Schriftliche Umsetzung ist schwer

Es gibt Kinder, die die Antwort kennen. Sie können sie sogar mündlich erklären. Aber sie bekommen sie nicht aufs Papier. Oder sie verstehen die Aufgabe, aber die vorgegebene Form passt nicht zu ihrer Art zu denken. Dann entsteht Frust. Nicht weil das Wissen fehlt. Sondern weil die Umsetzung schwerfällt.


Hilfe funktioniert nicht

Irgendwann kommt häufig der Moment, in dem Eltern helfen wollen. Und genau dann beginnt manchmal der Streit. Nicht jede Hilfe ist die Hilfe, die gerade gebraucht wird. Manche Kinder brauchen eine für sie passende Erklärung. Andere brauchen erst Beruhigung. Und manche hören in jeder Hilfestellung eine Kritik. Dann reden Eltern und Kind über dieselbe Aufgabe – aber nicht über dasselbe Problem.


Voraussetzungen stimmen nicht

Manchmal liegt das Problem noch tiefer. Vielleicht hat das Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche. Vielleicht eine Dyskalkulie. Vielleicht wurde selbstständiges Arbeiten bisher einfach noch nicht ausreichend gelernt. Oder das Umfeld macht konzentriertes Arbeiten schwierig. Dann scheitern Hausaufgaben nicht an der Aufgabe selbst. Sondern an den Bedingungen, unter denen sie bearbeitet werden sollen.


Arbeitsweise passt nicht

Manche Kinder verstehen die Aufgabe. Sie können sie sogar lösen. Und trotzdem entstehen Probleme. Manche arbeiten sehr schnell und dadurch schludrig. Andere arbeiten so langsam, dass sie kaum vorankommen. Und manche verlieren sich in einzelnen Details und kommen deshalb nicht zum Ende. Dann liegt die Schwierigkeit nicht beim Wissen. Sondern bei der Art zu arbeiten.


Emotionen übernehmen

Hausaufgaben sind nicht nur Denken. Hausaufgaben können frustrierend sein und lösen ganz unterschiedliche Gefühle aus. Manche Kinder werden wütend. Manche traurig. Und manche verweigern irgendwann komplett die Mitarbeit. Dann geht es oft nicht mehr um die eigentliche Aufgabe. Sondern darum, wie mit diesen Gefühlen umgegangen wird.


Kontrolle fehlt

Und manchmal wird die Aufgabe sogar bearbeitet. Trotzdem entstehen Schwierigkeiten. Das Kind erkennt eigene Fehler nicht. Hält eine Aufgabe für fertig, obwohl noch etwas fehlt. Oder es überprüft seine Arbeit gar nicht mehr. Dann scheitert die Hausaufgabe nicht am Verstehen. Sondern an der Kontrolle der eigenen Arbeit.


Abschluss

Zu guter Letzt: Vielleicht ist euch etwas aufgefallen: Von außen können viele dieser Situationen völlig gleich aussehen. Zwei Kinder sitzen vor derselben Matheaufgabe. Beide kommen nicht weiter. Und trotzdem kann die Ursache eine völlig andere sein.

Das eine Kind versteht die Aufgabe nicht. Das andere hat eine Wissenslücke. Ein drittes verliert die Konzentration. Ein viertes ist überfordert. Und ein fünftes ist eigentlich längst frustriert und bräuchte erst einmal Unterstützung, bevor es überhaupt weiterlernen kann.

Genau deshalb suche ich in diesem Hausaufgaben-Baum nicht zuerst nach Lösungen. Sondern nach Ursachen. Denn eine gute Lösung für das falsche Problem hilft meistens niemandem.

Im nächsten Teil schauen wir uns deshalb an, was nach den Hausaufgaben passieren kann. Denn manchmal wurde die Aufgabe bearbeitet. Und trotzdem kommt sie nie dort an, wo sie eigentlich hin sollte.